PPWR Recyclingfähigkeit bewerten: So funktioniert unsere Excel-Vorlage mit Materialkatalog
Die PPWR Recyclingfähigkeit zu bewerten ist eine der zentralen Pflichten für Erzeuger unter der Regulation (EU) 2025/40 — und gleichzeitig einer der größten praktischen Knackpunkte im Alltag. Woher bekommen Sie verlässliche Daten zu Sammelbarkeit, Sortierbarkeit und Recyclingfähigkeit Ihrer Verpackungen? Genau hier setzt unsere Excel-Vorlage an: Sie strukturiert den Bewertungsprozess, berechnet Materialanteile automatisch und ordnet jede Verpackung einer Recyclingklasse zu. Dieser Beitrag zeigt, wie das Werkzeug aufgebaut ist — und warum es ein sinnvoller Einstieg in die PPWR-Compliance ist.
Sie finden diese Tabelle im Leitfaden https://ppwr-qrcode.de/leitfaden unter Abschnitt 2 Schritt 6.

Das grundlegende Problem: Wer bewertet eigentlich die Recyclingfähigkeit?
Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Sie kaufen eine bedruckte Faltschachtel mit UV-Lack und Goldprägung, die eine Handcreme umhüllt. Ist diese Schachtel sammelbar, sortierbar und recyclingfähig im Sinne der PPWR? Die ehrliche Antwort lautet: Das können Sie als Erzeuger in den meisten Fällen nicht selbst abschließend beurteilen.
Die PPWR geht davon aus, dass die erforderlichen Nachweise entlang der Lieferkette weitergegeben werden. Bei einem europäischen Lieferanten ist das zumindest theoretisch handhabbar — Sie fordern ein technisches Datenblatt mit Recyclingfähigkeitsbewertung an, und der Hersteller liefert diese Angaben. Spezialisierte Prüforganisationen wie Interzero, cyclos-HTP, RecycleMe oder die Papiertechnische Stiftung (PTS) erstellen heute bereits entsprechende Gutachten.
Deutlich schwieriger wird es bei Importware aus China, Indien, der Türkei oder den USA. Dort kennt der Produzent möglicherweise weder die PPWR noch europäische Recyclingklassen noch das Konzept des Design for Recycling. Als Importeur tragen Sie in diesem Fall die volle Verantwortung — Sie dürfen sich nicht auf fehlende Kenntnisse des Lieferanten berufen.
Was die Excel-Bewertungsvorlage leistet — und was nicht
Unsere Excel-Arbeitsmappe zur Bewertung der Recyclingfähigkeit ist als fachliche Voreinstufung konzipiert. Sie ersetzt kein zertifiziertes Gutachten, gibt Ihnen aber ein strukturiertes Werkzeug an die Hand, um den Bewertungsprozess systematisch anzugehen und die Grundlagen Ihrer technischen Dokumentation zu legen.
Das Grundprinzip ist einfach: Sie beschreiben eine Verpackung mit ihren einzelnen Bestandteilen — Karton, Klebeband, Füllmaterial, Etikett und so weiter. Zu jedem Bestandteil tragen Sie das Material und das Gewicht ein. Der Rest läuft automatisch.
Die Mappe berechnet daraus:
- Materialgruppe und Recyclingstrom je Bestandteil
- Prozentualen Gewichtsanteil je Bestandteil an der Gesamtverpackung
- Ampelbewertung (grün, gelb, orange, rot, schwarz) aus dem hinterlegten Materialkatalog
- Gesamten Wertstoffinhalt der grün bewerteten Materialien
- Automatische Einordnung in eine Recyclingklasse

Die Recyclingklassen im Überblick
Die Klasseneinteilung der Vorlage orientiert sich an dem grün bewerteten Wertstoffanteil einer Verpackung. Je höher dieser Anteil, desto besser die Klasse:
| Klasse | Grün bewerteter Wertstoffanteil |
|---|---|
| A | mindestens 95 % |
| B | 80 % bis unter 95 % |
| C | 70 % bis unter 80 % |
| D | unter 70 % |
Nur grün bewertete Bestandteile fließen in den Wertstoffinhalt ein. Bestandteile mit gelber, orangefarbener, roter oder schwarzer Bewertung werden nicht dazugezählt — weil sie im Recycling schwieriger oder unsicherer sind. Ein einzelner kritischer Bestandteil kann die gesamte Klasse deutlich verschlechtern, selbst wenn der Rest der Verpackung vorbildlich gestaltet ist.
Welche Felder Sie ausfüllen — und was automatisch berechnet wird
Das Arbeitsblatt gliedert sich in drei Bereiche: Kundendaten, Stammdaten zur Verpackung und die Materialzusammensetzung. Nur der letzte Bereich ist für die eigentliche Bewertung entscheidend.
Mindestens auszufüllen sind je Bestandteil:
- Artikelbeschreibung (z. B. „Umkarton", „Papierklebeband", „Etikett")
- Material (Auswahl aus der hinterlegten Dropdown-Liste)
- Gewicht in Gramm
Sinnvoll sind zusätzlich die Angaben zur Trennbarkeit (ja / nein / werkzeugerforderlich / nur industriell / unbekannt), zum Monomaterial-Charakter und zum Verbund. Diese Felder fließen zwar nicht in die automatische Klassenberechnung ein, sind aber für eine spätere fachliche Einschätzung und Ihre technische Dokumentation wichtig.
Automatische Felder — Materialgruppe, Recyclingstrom, Recyclinghinweise, Anteil, Ampelfarbe, Wertstoffinhalt und Klasse — sollten Sie nicht manuell überschreiben. Sie greifen direkt auf den hinterlegten Materialkatalog zu.
Der Materialkatalog als Herzstück der Vorlage
Der Materialkatalog ist die Referenztabelle, auf die das gesamte Formular zugreift. Für jedes hinterlegte Material ist gespeichert: Materialgruppe, Recyclingstrom, Ampelbewertung und Recyclinghinweise. Wenn Sie im Eingabebereich ein Material auswählen, übernimmt das Formular diese Informationen vollautomatisch.
Die Bewertung im Katalog ist eine fachliche Voreinstufung — sie berücksichtigt typische Eigenschaften des Materials, kann aber keine individuelle Prüfung ersetzen. Faktoren wie tatsächliche Verschmutzung, Farbe, eingesetzte Klebstoffe, spezifische Beschichtungen oder die Möglichkeit zur Vortrennung einzelner Bestandteile können das Ergebnis im Einzelfall noch beeinflussen.
Als Orientierung und als Grundlage für die Kommunikation mit Ihrem Lieferanten oder einer externen Prüfstelle ist das Werkzeug jedoch gut geeignet. Wer einen kompakten Überblick zur gesamten PPWR-Verordnung sucht, findet mit dem Buch PPWR kompakt: Klarheit statt Paragrafen einen strukturierten Einstieg in Pflichten, Fristen und den 9-Schritte-Plan zur Konformitätserklärung.

Die Bewertungsvorlage im Kontext des PPWR-Leitfadens
Die Excel-Vorlage ist Bestandteil von Schritt 5 unseres neunstufigen PPWR-Leitfadens für Erzeuger — „Jede Verpackung technisch bewerten". Sie steht damit zwischen der Lieferantenanfrage (Schritt 4) und der Anlage der technischen Dokumentation (Schritt 6).
Das ist kein Zufall: Erst wenn Sie wissen, welche Materialien in Ihrer Verpackung stecken und wie diese bewertet werden, können Sie sinnvoll entscheiden, ob eine externe Recyclingfähigkeitsbewertung erforderlich ist — oder ob die Unterlagen Ihres Lieferanten ausreichen. Für Standardverpackungen wie Wellpappkartons oder Papierbeutel werden europäische Hersteller künftig wahrscheinlich fertige PPWR-Datenblätter liefern. Für Importware, komplexe Verbundverpackungen oder Luxusverpackungen mit Veredelungen ist das deutlich seltener der Fall.
Wichtig: Die Registrierung bei einem dualen System — Lizenzero, Grüner Punkt, Landbell und andere — liefert Ihnen keine automatische PPWR-Konformitätsaussage für einzelne Verpackungen. Die Systembetreiber lizenzieren, sammeln, sortieren und verwerten — aber eine individuelle Recyclingfähigkeitsbewertung je Verpackung ist nicht automatisch Bestandteil des Systembeteiligungsvertrags.
Die Bewertungsvorlage ist ein Baustein — nicht das gesamte Compliance-Paket
Die Excel-Vorlage zur Recyclingfähigkeitsbewertung inklusive Materialkatalog löst eine konkrete Aufgabe sehr gut. Sie ist aber nur ein Baustein innerhalb eines vollständigen Compliance-Prozesses. Für eine belastbare PPWR-Dokumentation brauchen Sie darüber hinaus unter anderem ein strukturiertes Lieferantenanfrageformular, eine Verpackungsinventur, technische Datenblätter, eine Risikobewertung, eine Konformitätserklärung, eine Verpackungsdatenbank sowie — ab dem 12.08.2026 — eine Lösung für die PPWR-konforme Kennzeichnung mit dynamischen QR-Codes.
All das ist Teil unseres vollständigen Compliance-Pakets auf PPWR-QRCode.de. 💡 Ob Sie mit dem kostenlosen Free-Account starten oder direkt mit dem Starter-Tarif ab 240 € netto pro Jahr einsteigen — der Aufbau Ihrer PPWR-Dokumentation lässt sich damit Schritt für Schritt strukturieren.
Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag ist eine praxisnahe Orientierungshilfe, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Für eine verbindliche Auskunft zu Ihren konkreten Pflichten wenden Sie sich bitte an die für Sie zuständige Industrie- und Handelskammer (IHK). Die passende IHK finden Sie direkt über unseren integrierten PLZ-Rechner im PPWR-Leitfaden auf unserer Website.
Weiterführend empfehlen sich auf unserer Website: der vollständige PPWR-Leitfaden für Erzeuger mit allen 9 Schritten, die Inventarlisten-Vorlage sowie der Leitfaden zur Konformitätserklärung.
